BdZ - Biber 2024
Voliere für einheimische Vögel im Tiergarten Delitzsch
Der Biber 2024 geht an …
Wieder einmal saß das Biber Komitee Anfang des Jahres zusammen, um über den Biber 2024 zu entscheiden. Seit letztem Jahr wurden auch wir modernen und Tagen nun online und nicht mehr in persona vor Ort vor der JHV. Das hat den großen Vorteil das die aktuell 25 Komiteemitglieder, welche über ganz Deutschland verteilt sind, besser und in großer Zahl an der so wichtigen Entscheidung zur Preisvergabe teilnehmen können.
Damit man mal einen grobe Vorstellung hat kann ich sagen, dass für das Jahr 2024 insgesamt 14 Anlagenvorschläge in 12 Einrichtungen beim Biber eingingen, von denen 8 einer Bewertung zugestimmt haben. Warum wollen manche Einrichtungen eigentlich nicht bewertet werden fragt man sich? Diese und weiter Spanende Details möchte ich euch im nachfolgenden Artikel Schildern! Doch nun zum wesentlichen …
Mit einer deutlichen Entscheidungsmehrheit hat der Tiergarten Delitzsch mit seiner Voliere der einheimischen Vogelwelt den Biberpreis 2024 gewonnen!
Diese sehr schön in die Tiergartenlandschaft eingepflegte Volierenanlage wurde in den Jahren 2018 - 2019 errichtet und fertiggestellt. Hierbei wurde sehr viel in Eigenleistung umgesetzt, z.B. durch den Förderverein, der den Innenausbau übernahm und die Bepflanzung, die Einrichtung errichtete und sich maßgeblich bei der Finanzierung beteiligte, aber auch regionale Firmen waren beim Bau beteiligt. Die Voliere besteht ringsum aus Stahldraht, welcher durch eine Netzkonstruktion überdacht wurde. Dies bietet wenig Verletzungsrisiko beim eventuellen Auffliegen der Tiere. Die Anlage hatte einen Kostenumfang von ca. 75.000 €.
Die gut 400 m² große Voliere ist für Besucher begehbar. Der Besucherbereich umfasst hiervon etwa 100 m² welcher für die Tiere jedoch ebenso nutzbar ist. Zur Zeit der Bewertung befindet sich ein bunter Vogelreigen im Besatz der einheimischen Vogelwelt. Beginnend an der Küste haben wir einige Limikolen wie Säbelschnäbler, Rotschenkel und zwei Austernfischer als Besatz. Die Vertreter der Wald- und Gartenvögel sind Bienenfresser, Dompfaff, Stieglitz und der Wiedehopf. Ein paar Alpensteinhühner bereichern die Bergwelt in diesem bunten und harmonischen Potpourri.
Trotz Besucherverkehr in der Voliere sind bereits einige Nachzuchten gelungen, unter anderem bei den Finkenarten und bei den selten gezeigten Bienenfressern dessen Zucht nicht grade leicht ist.
Thema Heimat von der Küste, über die Wiesen und Wälder, bis in die Bergregion spiegelt auch die Voliereneinrichtung wider. So ist die Anlage auf der einen Seite ehr offen gehalten mit Gräsern und Buschwerk, um ein große Wasserbecken gestaltet und geht in einen dichten und hochwachsenden Waldbereich in den weiteren Teil über. Für die Zucht der Bienenfresser wurde von einem ortsansässigen Künstler eine Felswand geschaffen, in der sich die Eingänge der Bruthöhlen für die Bienenfresser befinden. Diese werden zum Brutanreiz mit Lehm verschlossen. Im Wasserbecken ist eine kleine Sprinklerpumpe angebracht welche nicht nur das Wasser in Bewegung hält, es ist auch eine gut genutzte Möglichkeit für die Bienenfresser Wasser im Flug aufzunehmen. Um das Wasserbecken zu reinigen wird ein Schlauch an der Pumpe angeschlossen und mit dem Brauchwasser werden die Pflanzen in der Voliere gewässert.
Für den Innenstallt wurden alte Bürocontainer recycelt, durch eine Schleuse und einem kleinen Lagerraum kann man durch diesen jede der 4 Innenvolieren erreichen. Ein weiterer Vorteil der Container ist das diese wieder weiter genutzt werden könnten sollte die Voliere einmal abgerissen werden. Es wurde ebenfalls im Innenraum viel Wert auf Artgerechte Lösungen gesetzt, so sind für jede Gattung einzelne Einfluglöcher in passender Höhe und Größe zur jeweiligen Innenvoliere eingebaut worden. Für die Limikolen ist ein großer Bodenschieber vorhanden. So können die einzelnen Besonderheiten jeder Gattung im Futter und Nistmöglichkeiten entsprechend separat angeboten werden. Zum Fangen können die Fluglöcher von außen oder innen geschlossen werden. Wobei manche der Arten selbst Nester direkt in der Voliere bauen. Das üppige Grün der Voliere wird nur im Herbst einmal kräftig zurückgeschnitten, um während der Brutsaison möglichst wenig gärtnern zu müssen. Zur eingewöhnen neuer Tiere können kleine Gitterboxen an die Ausfluglöcher angebracht werden, um ein sanftes Eingewöhnen zu ermöglichen.
Für die Besucher geht es durch einen Schleuseneingang der zusätzlich mit Lamellen gesichert ist in die Voliere. Der Weg ist mit einem Eschenholz Zaun eingefasst, welches hart und langlebig ist. Es wurde ebenso möglichst viel Bruch- und eigen Holz verwendet, um Sitzstangen, Die Containerverschalung und Holzelemente zu bauen. Der Besucherweg selbst ist barrierefrei und bietet mit einer Sitzgelegenheit zum Verweilen ein.
Besonders hervorzuheben ist die Besucherinformation die Angeboten wird. Es sind nicht nur Artschilder in der Voliere vorhanden. Das Thema Heimische Vogelwelt wird in gänze ausgeschöpft, so sind zahlreiche Informationstafeln nicht nur in der Voliere sondern auch in das direkte Umfeld eingegliedert worden, um mit dem Konzept des „Zwitscher Lehrpfades“ der Gesamtheit der heimischen Vogelwelt zu begegnen. Ebenso findet man hier ein Winterfutterhaus und verschiedene Nistkästen die gezeigt werden.
Wir gratulieren dem Tiergarten Deltizsch und seinen Mitarbeitern zum Biberpreis der für ein überzeugendes, innovatives und gelungen umgesetztes Konzept mit nachhaltigem Ressourcen Einsatz und viel Eigenleistung verliehen wird.
